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Wer heute ein Haus baut, der darf sich darauf verlassen, dass dieses Gebäude, selbst wenn es nur die staatlichen Mindestanforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) erfüllt, erheblich sparsamer und nachhaltiger ist als selbst nur wenig ältere Häuser – von solchen Eigenheimen, die den noch deutlich strengeren Vorgaben der verschiedenen KfW-Effizienzhäuser entsprechen, völlig zu schweigen. 

Allerdings muss klar sein, dass es auch jenseits dieser Vorgaben möglich und vor allem sinnvoll ist, noch mehr für die Nachhaltigkeit seines Eigenheims zu tun. Nicht zuletzt deshalb, weil sich dadurch die Betriebskosten teilweise deutlich weiter senken lassen. Die folgenden Maßnahmen gelten dabei als klassischer – aber nicht erschöpfender – Basisstandard.

1. Photovoltaik

Noch ist eine Pflicht zur Photovoltaik bei Neubauten nur ein Gedankenspiel der Regierenden. Dennoch sollte sich jeder Häuslebauer überlegen, freiwillig zumindest einige Module auf sein Dach setzen zu lassen. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Wenn das Dach sowieso errichtet werden muss, ist es ungleich einfacher, die Module zu installieren, Leitungen und ähnliches durchzuführen.
  • Die nötige Zusatzlast kann gleich bei den statischen Berechnungen mitbedacht werden.
  • Photovoltaikmodule sind im Vergleich mit selbst der jüngeren Vergangenheit sehr günstig geworden. Gleiches gilt für Stromspeicher.
  • Photovoltaik ist eine grandiose Gelegenheit, typische Tagsüber-Verbräuche abzufedern. Sei es der meist immer eingeschaltete Router oder vielleicht auch Energieverbraucher im Home-Office.

Und diese Punkte umfassen bereits kleinere Anlagen. Wer hingegen von Planungsbeginn wirklich in die Vollen geht, der kann auf diese Weise sogar ganz gezielt auf ein zuhause ladendes E-Fahrzeug hinarbeiten – selbst, wenn diese Anschaffung noch nicht auf der Agenda steht. 

Tipp: Ergänzend können zudem Solarthermiemodule genutzt werden. Sie sorgen für eine Ausnutzung der Sonnenenergie, um beispielsweise der Heizung einen kleinen Schub zu verleihen oder Hähne mit (zusätzlichem) Warmwasser zu versorgen. 

2. Ein kleiner Ofen

Pellet- und Hackschnitzelheizungen sind aus verschiedenen Gründen keine Option für alle Bauherrn – vor allem, weil der Brennstoff entsprechend großvolumige Lagerräume benötigt, aber längst nicht jeder mehr mit Keller baut.

Dennoch ist ein Kaminofen – egal, ob mit Holzscheiten, Holzbriketts oder Pellets betrieben – eine wirklich sinnvolle Ergänzung zur Zentralheizung. Denn seine Reaktionszeit ist um einiges schneller. Deshalb kann er für alle möglichen Situationen herangezogen werden, in denen es zwar im Haus unangenehm kühl ist, es aber zu lange dauern würde, die Zentralheizung höher zu drehen.

Mit einem entsprechenden Partikelfilter im Kamin ist dies zudem kein Problem bezüglich regionaler Feinstaubbelastung. Und gemütliches Flammenspiel macht einen Raum nochmal so heimelig.

Tipp: Es gibt mittlerweile viele Kaminöfen, die an den Wasserkreislauf der Zentralheizung angeschlossen werden und diesen somit ebenfalls erwärmen können. Und wer nur auf möglichst schnelle Reaktion aus ist, sollte ein Modell wählen, das außen nicht mit Speichersteinen verkleidet ist.

3. Gezielt ausgesuchte Haushaltsgeräte

Wer neu baut, nutzt häufig die Gelegenheit, um sich auch in Sachen Waschmaschine, Trockner und ähnlichen Geräten neu auszustatten – auf deren Kosten kommt es beim teuren Hauskredit nicht mehr an.

Prinzipiell ist dies ein sehr guter Grundgedanke. Denn je neuer Geräte sind, desto sparsamer sind sie bereits von Haus aus. Dennoch gibt es auch hier einen Weg, der noch besser ist. Nämlich denjenigen, diese Geräte ganz gezielt nach ihrer Reparierbarkeit auszuwählen. Das liefert längst nicht jeder Hersteller. Vor allem nicht in den unteren Preissegmenten, wo oftmals nicht einmal Ersatzteile bevorratet werden.

Denn: Nichts ist auch für die Umwelt sinnvoller als ein Gegenstand, der möglichst lange funktioniert. Zudem existieren in praktisch allen Bundesländern Repair Cafés und teilweise gibt es sogar länderspezifische Anreizprogramme, um Haushaltsgeräte reparieren zu lassen. Besonders bekannt ist das jüngst gestartete Programm in Thüringen.

Primär bedeutet dies, seine Haushaltsgeräte nur von Markenherstellern zu erwerben. Allerdings ebenfalls, zuvor mit einem Elektriker zu sprechen, der nicht nur in Gebäudeelektrik macht. Diese Fachleute wissen, was sich gut reparieren lässt und was nicht. Ihrem Rat sollte deshalb Vertrauen geschenkt werden.

4. Schatten statt Klimaanlage

Selbst in einem sehr gut gedämmten Haus schafft es die Hitze nach einigen Tagen bis in den Innenraum. Angesichts der durch den Klimawandel zu erwartenden weiteren Hitzesommern lassen deshalb viele Bauherrn gleich eine Klimaanlage mitintegrieren oder setzen auf eine Wärmepumpenheizung, die im Sommer auch gute Kühlleistungen realisieren kann.

Beides ist zwar verständlich, behandelt jedoch nur die Symptome. Denn was ein Haus wirklich aufheizt, ist weniger die allmählich durch Wände, offene Türen und Fenster eindringende Außenwärme als viel mehr solche, die durch direkte Sonneneinstrahlung innen erzeugt wird.

In heißen Weltgegenden baut man deshalb schon seit Jahrhunderten mit ausladenden Vordächern und ähnlichen Maßnahmen. Sie entkoppeln den Innenraum von dieser Wärmequelle Namens Strahlungswärme.

Moderne Häuslebauer sollten dies ebenfalls in Erwägung ziehen. Je früher in der Planungsphase dies geschieht, desto besser. Bleiben dann an heißen Tagen die Fenster konsequent geschlossen, bleibt es ganz ohne zusätzlichen Energieverbrauch angenehm – im Gegensatz zu herkömmlichen Rollläden jedoch ohne zu große Dunkelheit. Selbst wenn es irgendwann dennoch zu warm wird, genügt eine moderne Lüftungsanlage, die viel weniger Energie verbraucht als eine herkömmliche Klimaanlage.

Tipp: Ergänzend kann ums Haus herum viel Grün angepflanzt werden. Baumschatten beispielsweise senkt die gefühlte Temperatur um bis zu 15° C.

5. Stärker unterteilte Räume

Dieser finale Punkt muss bereits in der frühesten Planungsphase integriert werden, sonst lässt er sich kaum noch ohne größeren Aufwand umsetzen. Dafür allerdings ist er äußerst wirkungsvoll. Denn heutzutage diktieren Bautrends möglichst offene Gestaltungen. Das heißt, mit wenig bis teilweise gar keinen Wänden innerhalb der Stockwerke.

Aus architektonischer Sicht mag dies durchaus sinnvoll sein. Aus energetischer Sicht hingegen macht es aus einem 150-Quadratmeter-Haus einen ebenso großen Raum – der dementsprechend nach dem Prinzip „ganz oder gar nicht“ beheizt und gekühlt werden muss.

Die Folgen:

  • Jede gewünschte Temperaturänderung benötigt länger, um sich bemerkbar zu machen.
  • Kochen oder das Öffnen von Türen und Fenstern wirken sich auf das gesamte Haus aus.
  • Jeder „Haussektor“ muss gleichermaßen auf die Wohlfühltemperatur des Wohnbereichs erwärmt werden, obwohl er nicht so genutzt wird.

Insbesondere deshalb, weil unter anderem die Bundesregierung ein Beheizen nach einem Zonen-Modell vorschlägt, wonach jeder Raum hinsichtlich seiner Benutzung erwärmt werden sollte, ist es energetisch deutlich besser, Abstand von derart offenen Raumgestaltungen zu nehmen.

Zumal dies nicht zwangsläufig bedeutet, innen herkömmliche Wände errichten zu müssen. Immerhin erlauben gläserne Wände eine ähnliche Aufteilung, ohne jedoch das offene, lichtdurchflutete Gefühl zu mindern.

Siehe auch:

Mehr zum Gebäudeenergiegesetz GEG

Informationen zum KfW-Effizienzhaus

Diskussion um Photovoltaik-Pflicht

Basis-Informationen rund um Photovoltaik

Energieverbraucher im Home-Office

Thüringer Bonusprogramm für die Reparatur von Haushaltsgeräten

Studie zur Kühlungswirkung von Bäumen

Über die Planung von konstruktivem Sonnenschutz

Mehr zu verschiedenen Raumtemperaturen je nach Nutzung

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