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Private Haushalte verursachen den Großteil ihres Stromverbrauchs zunehmend außerhalb der eigenen vier Wände; Tipps für ein neues energiebewusstes Verhalten im Alltag.

München, 02.09.2015 – Die Mehrheit der Deutschen ist voll ausgestattet: Mit immer mehr vernetzten, mobilen Endgeräten, organisieren sie ihren Alltag. Rund 30 Prozent mehr Computerendgeräte als noch vor vier Jahren und ein Anstieg der Notebooks um 40 Prozent sowie fast 15 Millionen Tablets sprechen für sich. In den nächsten vier Jahren wird es in Deutschland fast doppelt so viele vernetzte Geräte geben wie 2014, schätzen die IT-Experten von Cisco. Im Schnitt hätte jeder Verbraucher dann 8,6 vernetzte Geräte. Zum Vergleich: Aktuell geht Cisco von rund vier bis fünf Geräten pro Bundesbürger aus.

Obwohl die Informations- und Telekommunikationsgeräte (ITK) gleichzeitig immer energieeffizienter werden, nimmt ihr Stromverbrauch in den Privathaushalten nicht im gleichen Maße ab. „Auch langfristig wird die Internetnutzung einen erheblichen Anteil am Strombedarf ausmachen“, ist Dr. Ralph Hintemann vom Borderstep Institut überzeugt. „In vielen Bereichen steigt der Strombedarf der ITK sogar an.“ Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass der private Stromverbrauch für Elektrogeräte in den Jahren 2000 bis 2013 um durchschnittlich fast neun Prozent gestiegen ist.

Und dieser Anstieg ist nur die halbe Wahrheit: Gerade die Nutzung von ITK-Geräten verursacht noch an anderer Stelle einen steigenden Stromverbrauch. Das Problem ist: Die Verbraucher merken es nicht. Denn dieser Stromverbrauch taucht auf keiner ihrer Rechnungen auf. Er ist für den einzelnen Verbraucher quasi unsichtbar, weil er in den großen Rechenzentren dieser Welt stattfindet, über die unsere Geräte gesteuert werden. Ein Tablet oder Smartphone verbraucht beispielsweise heute fünf- bis zehnmal mehr Strom im Rechenzentrum als daheim an der Steckdose.

 

Versteckter Stromverbrauch

Nach Berechnungen des Borderstep Instituts stieg der Strombedarf, der bei der Nutzung von PC, Notebook und Tablet daheim und in den Rechenzentren anfällt, zwischen 2010 und 2014 um 20 Prozent. Das Gros des Anstiegs entfiel dabei auf die Server in den Rechenzentren. Hier hat sich der durch die Nutzung der Endgeräte verursachte Stromverbrauch mehr als verdreifacht. Das unterstreicht die Datenmenge in den Netzen: Laut IT-Anbieter Cisco wird der Internetdatenverkehr in Deutschland 2019 30-mal höher sein als 2005. Alleine der mobile Datenverkehr steige jährlich um rund die Hälfte. Und die übertragenen Videodaten wüchsen bis 2019 auf das Dreifache. Kein Wunder, verbringen die Deutschen heute immer mehr Zeit im Internet – und das immer mobiler. Die Unterwegs-Nutzung des Internets hat sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt.

Für Florian Henle, Mitgründer des Ökoenergieversorgers Polarstern, ist diese Entwicklung tückisch. „Der verschleierte Energieverbrauch macht es den Verbrauchern schwer, ihren Energieverbrauch bewusst zu gestalten und zu senken.“ Es sei wichtig, auch den indirekten Stromverbrauch in den Server- und Rechenzentren transparent zu kommunizieren. „Solange man den hier verursachten Stromverbrauch auf der eigenen Stromrechnung nicht spürt, solange wird kaum ein Umdenken stattfinden.“ Ein Ansatzpunkt sind beispielsweise Smart-Meter- und Smart-Home-Lösungen. Mit ihren transparenten und aktuellen Angaben zum Stromverbrauch der Geräte wecken sie das Bewusstsein und das Verantwortungsgefühl für den eigenen Energiekonsum. „Der nächste Schritt ist eine Ausweisung des Gesamtstromverbrauchs, also der gesamten bei der Nutzung anfallenden Kilowattstunden inklusive des Stromverbrauchs in Rechenzentren und Netzen.“

 

Stromsparen mit vernetzten Geräten

Wer heute angesichts des steigenden externen Stromverbrauchs in den Rechenzentren, Energiesparen will, der müsse sich grundsätzlich energiebewusst verhalten, erklärt Florian Henle. „Einzelne Energiesparmaßnahmen bei Geräten, wie zum Beispiel nicht genutzte Apps konsequent zu schließen, fallen kaum ins Gewicht. Die Masse macht den ‚Strommist’.“ Die Facebook-Nutzung verursacht beispielsweise pro Jahr etwa rund eine Kilowattstunde, Google-Dienste je Nutzer zwischen eine und fünf Kilowattstunden. Das sind zusammen gerade einmal ein bis zwei Euro im Jahr. Weil jeder Verbraucher aber viele internetfähige Endgeräte und viele Anwendungen nutzt, kommt am Ende so einiges zusammen. Den gesamten in den Rechenzentren verursachten Stromverbrauch, der durch die Internetnutzung eines einzigen typischen Verbrauchers anfällt, schätzt Ralph Hintemann auf bis zu 50 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht rund 15 Euro. Dabei ist der Stromverbrauch in den WLAN- und Mobilfunknetzen noch nicht eingerechnet. Er liegt ungefähr noch einmal so hoch.

Für Verbraucher, die ihren Gesamtstromverbrauch reduzieren wollen, hat Ralph Hintemann zwei grundlegende Tipps:

Erstens besser über WLAN als über das 3G-Mobilfunknetz auf externe Server zugreifen. Das reduziert nicht nur in vielen Fällen die eigene Mobilfunkrechnung, sondern ist auch mit Blick auf die Nutzung der Datennetze und Rechenzentren deutlich energieeffizienter; bis zu einem Drittel weniger Energie wird für einzelne Anwendungen im WLAN-Netz verbraucht.

Und zweitens einen Blick hinter die Kulissen werfen und schauen, wo das Unternehmen, dessen Dienst genutzt wird, seine Server stehen hat und ob es sie mit Ökostrom betreibt. „Deutschland ist auch bei Rechenzentren ein High-Tech-Land. Hiesige Anlagen gehören zu den energieeffizientesten Rechenzentren weltweit“, so der Experte. „Schon deshalb, weil die Stromkosten in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland höher sind, wird hierzulande mehr Wert auf Energieeffizienz gelegt. Außerdem werden immer mehr deutsche Rechenzentren mit Ökostrom betrieben.

(Quelle: Polarstern GmbH. Weitere Quellen: ARD/ZDF-Onlinestudie, BITKOM, Borderstep Institut, Cisco, Destatis/Statistisches Bundesamt, Dublin City University)

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